So leicht kann sich Verzweiflung auflösen

Die Göthert-Methode ganz lebenspraktisch

 

Die 12-jährige Marie bereitete sich auf ihrem Cello gemeinsam mit anderen jungen Musikerinnen auf einen Kammermusik-Wettbewerb vor. Nach der ersten gemeinsamen Probe eines neuen Stückes unter Leitung der Lehrerin, Frau Holl, rief sie mich an. Schluchzend, verzweifelt.

 

– Ich war zu diesem Zeitpunkt gerade mit Kind in der Küche. –

 

Es dauerte ein wenig, bis sie sich soweit gefangen hatte um zu erzählen. Frau Holl hätte gleich ungeduldig auf ihr herumgehackt, sie könne ja nicht mal die Pausen richtig zählen und so viele falsche Töne. Dabei sei sie nicht schlechter oder besser als die anderen vorbereitet gewesen. Sie sei sogar trotz Fieber zur Probe gekommen, nur um den Ablauf nicht zu behindern… Die Verzweiflung war zu spüren, ein Häufchen Elend am anderen Ende der Leitung. Wie kann ich ihr helfen? Geht es hier wirklich um verpasste Einsätze oder schiefe Töne? In der ersten Probe? Oder geht es womöglich um etwas ganz Anderes?

 

Unerwartet brach es aus Marie heraus: „Was auch immer sie für Probleme hat – sie muss das nicht an mir auslassen!“ Ja klar! Da dämmerte mir – Frau Holl hatte mir erst kürzlich von massiven privaten Problemen erzählt. Ist am Ende deren Verzweiflung zu Marie hinübergeschwappt? „Könnte es sein, dass das, was du jetzt als Verzweiflung spürst, gar nichts mit dir zu tun hat? Dass es nur über den Weg der Kritik zu dir gekommen ist?“

 

Ein vorsichtiges „Ja“. „Dann versuche mal, soweit es dir möglich ist, diesem verzweifelten Bereich verständnisvoll und liebevoll zu begegnen, wie einem kleinen Kind, das sich verirrt hat – und frage ihn, ob er bei dir fremd ist – ohne eine Antwort zu erwarten“. Eine Zeit der Stille.

 

Dann, nach einem tiefen Atemzug: „Jetzt ist mir grade ein schwerer Rucksack vom Rücken gepurzelt.“ Froh und erstaunt, fast lachend, klang jetzt ihre Stimme. „Es ist weg! Ich fühle mich befreit und erleichtert! Danke!“

 

(Namen und Instrument sind geändert)

 

Johanna Kaiser

Feinstoff-Praktikerin, Feinstoff-Lehrerin GLV-I NDGM

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus der Sicht der Feinstoff-Spezialistin:

 

Durch bestimmte Ereignisse kann in zweifacher Hinsicht innere Unordnung entstehen:

 

  • es löst sich etwas aus dem eigenen feinstofflichen Raum und bleibt in einer Situation hängen.
  • etwas Fremdes dringt in unseren feinstofflichen Raum ein.

Diese abgelösten oder fremden Bereiche drücken sich häufig in aufwühlenden Emotionen wie Wut, Verzweiflung oder Angst aus.

 

Die Frage, ob das, was ich als Emotion in mir erlebe, mit mir zu tun hat, kann essentiell sein und einen Ordnungsprozess in Gang bringen.

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